Warum jammern nicht (wirklich) hilft!

Warum jammern nicht (wirklich) hilft!

Vorausschicken möchte ich diesem Artikel, dass der Partner eines Narzissten jede Menge Gründe hat zu jammern. Praktisch täglich muss er sich mit Demütigungen, Beleidigungen, Bestrafungen, ungerechtfertigten Vorwürfen und kränkendem Schweigen auseinandersetzten. Es bedeutet eine unglaublich große seelische Belastung, es erfordert alle Kraft, die man aufbringen kann, diesen Zustand auszuhalten. Deshalb ist jammern völlig verständlich, deshalb ist auch völlig nachvollziehbar, dass wir uns als Opfer immer wieder Luft machen müssen, ob der Unverschämtheiten, die uns widerfahren, ob der Ungerechtigkeit, mit der wir behandelt werden.

Nur: Was bringt es uns wirklich, das Jammern, auf längere Sicht gesehen? Das, was wir heute denken und aussprechen, das werden wir morgen erhalten! Klagen wir heute über einen untreuen Ehemann, so werden wir auch morgen noch einen untreuen Ehemann haben. Klagen wir heute über ein Schicksal, das uns benachteiligt, so werden wir auch morgen noch benachteiligt werden. Wir manifestieren im Außen, was wir im Inneren denken. Gedanken sind Kräfte!! Negative Gedanken, die wir Tag für Tag wiederholen, werden sich nach dem Gesetz der Anziehung immer weiter fortsetzen. Unser Gehirn ist immer bestrebt, die Dinge, die wir denken, wahr werden zu lassen und sich danach im Außen auf die Suche zu machen.

Denken wir beispielsweise: „Auf Männer kann man sich nicht verlassen“, dann werden wir einen Partner bekommen, auf den wir uns nicht verlassen können. Wir haben somit selbst diese Bestellung aufgegeben Wenn wir dann auch noch permanent oder zumindest häufig darüber sprechen, uns mit Freundinnen darüber austauschen oder auch unter Gleichgesinnten darüber jammern, so werden wir im Morgen erhalten, was wir im Heute manifestieren. 70 000 Gedanken denken wir jeden Tag, jeden einzelnen Tag. und über 90 % davon sind die gleichen Gedanken wie am Tag zuvor. Wie soll es da einen Fortschritt geben, ein Vorwärtsgehen aus dem eigenen Ich heraus?

Unser Gehirn versteht keine Verneinung. Das kann man ganz einfach belegen. Wenn ich zu euch sage, ihr sollt nicht an einen rosa Elefanten denken, dann denkt ihr natürlich an einen rosa Elefanten. Das liegt daran, dass unser Gehirn, wie gesagt, keine Verneinung versteht und es liegt ebenfalls daran, dass unser Gehirn in Bildern denkt und beim Hören des Wortes „rosa Elefant“ das entsprechende Bild im Gehirn erzeugt. Dies ist wichtig, wenn wir nicht bleiben wollen, wo wir sind.

Ich denke, wir alle sind in Gruppen für Opfer von Narzissten, weil wir einen mehr oder weniger großen Leidensdruck haben. Manche sprechen es offen aus, andere sind stille Mitlesen und erkennen sich in diesen Texten wieder. Die brutale Wahrheit ist: Wenn ich heute tue, was ich gestern getan habe, werde ich auch morgen dasselbe Ergebnis erhalten. Konkret: Es wird sich nichts an meiner Situation verbessern. Jammern und klagen entlastet – ohne Zweifel – aber mehr kann es leider auch nicht für uns tun.

Wollen wir also wirklich eine Veränderung in unserem Leben bewirken, dann müssen wir die Sache anders angehen. Darum soll es ja auch in der neu gegründeten Gruppe „Hilfe im Umgang und Ausstieg“ gehen. Darum, dass ich euch konkrete Schritte und Übungen aufzeigen werde, mit denen ihr diese Beziehung hinter euch lassen könnt. Selbst wenn jetzt noch ganz viel Angst da ist.

Also – wir haben festgestellt, dass der bisherige Weg nicht aus dem Leiden heraus geführt hat. Dann stellt sich an dieser Stelle die Frage: „Bin ich bereit, mich für andere Wege zu interessieren und zu öffnen“? Das ist für Opfer von Narzissten gar nicht so leicht, sind wir doch geschwächt von der Gehirnwäsche, den Manipulationen und all dem Leid, das uns durch den Narzissten widerfährt. Deshalb mein Appell an diejenigen, die WIRKLICH und WAHRHAFTIG eine Veränderung in ihrem Leben wünschen. Wir kreiden dem Narzissten immer an, dass er nur Versprechungen macht, die er dann nicht hält. Wie ist es mit unseren Versprechungen uns selbst gegenüber?
Ich war selbst 3 Jahre in einer Beziehung mit einem Narzissten und obwohl ich als Psychotherapeutin die fachlichen Informationen kannte, war ich dennoch emotional an seiner Angel. Ich wusste sehr genau, dass ich aussteigen musste, wenn ich nicht weiter leiden wollte, aber ich hatte auch Angst davor. Es schien mir zeitweise unvorstellbar, diesen Ausstieg je machen zu können. An diesem Punkt habe ich eine Entscheidung getroffen: Ich holte mir alle Hilfe, die ich nur kriegen konnte. Und zwar von Freunden, die mir wohl gesonnen und selbst nicht in einer narzisstischen Beziehung waren, und ich holte mir professionelle Hilfe bei einer Kollegin. Das hat mich deshalb keine Überwindung gekostet, weil ich wusste, mit dieser schweren Belastung kann ich keine gute Therapeutin für meine Klienten sein. Ich muss mich also davon befreien. Manchmal ist eine Investition in das eigene Leben die beste Investition!!

Was mir auch geholfen hat und was ich euch empfehlen kann, unbedingt einmal auszuprobieren:

Schreib deine eigene Grabrede!

Das klingt zugegebenermaßen recht morbide und ich denke, dass jeder erstmal einen inneren Widerstand spürt, wenn er dieser Aufgabe nachgehen soll. Deshalb nenne ich euch gerne die Gründe dafür, warum diese Übung so hilfreich ist.

Wir betrachten unser Leben immer vom jetzigen Zeitpunkt aus. Von da aus schauen wir dann in die Vergangenheit, was gewesen ist, und in die Zukunft, was noch sein soll. Wobei Planungen mit einem narzisstischen Partner extrem schwierig durchzuführen sind, weil ja schon der Alltag alle Kraft aufsaugt. Zum Anderen sind diese Beziehungen ständig on und wieder off. Wir können also extrem schwer planen, weil wir ja nicht wissen, welchen Status quo wir dann gerade haben werden.
Der wirklich entscheidendere Vorteil an dieser Übung ist allerdings, dass ihr eine völlig neue Sicht auf euer Leben bekommt, wenn ihr es mal nicht vom heutigen Stand aus betrachtet, sondern vom Ende her denkt.

Anfangen könnt ihr ja mal mit dem Gedanken, wer diese Grabrede überhaupt ma halten soll – eines fernen Tages . Wer steht euch so nahe, wer kann am ehesten ausdrücken und vertreten, WER IHR SEID bzw. dann…WARD…. Nun kommt der schwierigere Part: Was soll über euch berichtet werden? Wofür seid ihr eingestanden, was hat euch ausgemacht, was war euch wichtig.?

Oder – mögliche andere Fragen, die du dir selber stellen kannst: Was möchte ich unbedingt in meinem Leben gemacht haben, was möchte ich keinesfalls versäumen zu erleben, was soll mich als Mensch am Ende auszeichnen, was ist mein Lebenssinn gewesen, wofür stand ich??? So – und nun stellt euch vor, ein naher Angehöriger, eine liebe Freundin hält eine Grabrede auf euch. Was soll sie denn über euch erzählen können? Was wäre wichtig, um dort erwähnt zu werden. Was unterscheidet dich ganz persönlich von deinen Mitmenschen?

Ich habe diese Übung gemacht, als ich mich mit dem Ausstieg beschäftigt habe und ich kann euch sagen, dass mir die Augen förmlich aufgesprungen sind!! Obwohl ich noch nicht konkret vor Augen hatte, was gesagt werden solle, so wusste ich doch definitiv, dass ich nicht hören wollte: „Sie war ihrem Partner stets ergeben, sie hat ihr ganzes Leben geopfert, sie hatte eine extrem große Leidensfähigkeit, sie ließ sich sehr gut demütigen“…..dies alles zusammen genommen hätte für mich bedeutet: Ich habe mein Leben aus den Händen gegeben, nur noch auf Sparflamme vor mich hinvegetiert und mich dann als Opfer so langsam aus dem Leben ausgeschlichen. Am Steuer saß ich nämlich definitiv nicht!!

Davon bin ich aufgewacht. Diese Erkenntnis war maßgeblich dafür, dass ich kämpfte wie eine Löwin. Ich wollte mein Leben zurück haben, meine Würde, meine Handlungsfähigkeit, mein Selbstwertgefühl und auch meine Ruhe. Denn die war mir in der Beziehung mit dem Narzissten völlig abhanden gekommen. Ausstieg JETZT: Damit meine ich nicht nur Betroffene, die noch in der Beziehung sind und den Ausstieg – räumlich und emotional – noch vor sich haben, sondern damit meine ich auch die Betroffenen, die sich schon (länger) getrennt haben, aber immer noch unter dieser Trennung leiden. Selbst Betroffene, die den Ausstieg geschafft haben, aber denen es noch nicht gelungen ist, einen neuen Lebensentwurf zu entwickeln. Sei dabei – auf deinem Weg in die neue Freiheit!

 

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