Wenn der Liebeskummer unerträglich wird…

Wenn der Liebeskummer unerträglich wird…

Zu Beginn einer neuen Liebesbeziehung schweben wir meist auf Wolke 7. Wir könnten die ganze Welt umarmen, so glücklich sind wir und wir glauben, dass diese Liebe ein Leben lang hält. Die uns entgegen gebrachten positiven Gefühle machen uns innerlich stark und lassen uns nach außen strahlen. Wenn sich dieser Zustand jedoch nach einiger Zeit schleichend oder auch ganz plötzlich verändert, und wir vor den Scherben dieser einst großen Liebe stehen, dann macht uns das hilflos, unser Selbstwert leidet und wir verwandeln uns in ein Häufchen Elend. Wir leiden in hohen Maße, und zwar seelisch und körperlich. Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit, schlaflose Nächte, diffuse Ängste, Selbstzweifel, Appetitlosigkeit machen sich breit – am liebsten würden wir vom Sofa gar nicht mehr herunter gehen. Wozu noch aufstehen, warum noch Freunde treffen, vieles scheint überhaupt nicht mehr von Bedeutung zu sein. Wir sind gekränkt und fühlen uns elend. Abgeschoben, zurück gewiesen, einsam und ungeliebt…

Dieser Zustand kann zu Beginn einer Trennung ganz normal sein. Allerdings sollte es mit der Zeit wieder möglich werden, zur Normalität zurück zu finden und den Schmerz zu bewältigen. Die sozialen Kontakte sollten wieder gepflegt werden können und Stück für Stück sollten sich der Spaß und die Freude am Leben wieder einstellen. Dafür gibt es sicher keinen „üblichen“ Zeitrahmen, jeder spürt selbst am besten, wann es soweit ist!

Was aber, wenn der Leidenszustand anhält? Wenn sich eben die Normalität nicht wieder einstellt? Die Lebensfreude und Leichtigkeit nicht zurück kehren? Dann kann es hilfreich sein, sich für eine gewisse Zeit professionell begleiten zu lassen. Sich mit einem erfahrenen und kompetenten Menschen zu beraten, der mit objektivem Blick auf die Situation schaut und hilfreiche Wege aufzeigt. Auch ein Austausch unter Betroffenen kann hilfreich sein, um nicht im Trennungsprozess stecken zu bleiben, sondern schrittweise vorwärts zu gehen und aus der Situation heraus zu finden. Vielleicht kannst du das jetzt noch nicht sehen, aber: Jede Krise kann auch eine Chance sein! Wenn man sie erkennt, nutzt und konstruktiv umwandelt, kann man an ihr wachsen und reifen…

Wie kann ich es nun konkret schaffen, während und nach einer Trennung weniger zu leiden? Diese Frage wird mir häufig in meinen Beratungen gestellt und ich gehe davon aus, dass du dich auch schon damit beschäftigt hast. In einer narzisstischen Beziehung beispielsweise gibt es in der Regel nicht nur EINE Trennung, sondern viele, zumeist weiß man an diesem Punkt nicht einmal, ob es diesmal wirklich die finale Trennung ist. So schwankt man zwischen Hoffen und Bangen, hangelt sich durch diese Zeit – mit einem Fuß schon draußen, mit dem anderen noch drin. Wir haben also gar keine klare Position in dieser Zeit, befinden uns in einer Art „Spagat-Zustand“, der, wie du dir vorstellen kannst – immens viel Kraft kostet. Wer kann schon im Spagat durchs Leben gehen?

Das zweite Problem ist: Wir sind nicht bei uns in dieser Zeit. Wir warten noch immer auf ein Zeichen von ihm, ob er weiter schweigt, oder ob er uns von diesem brutalen Leiden erlöst, uns aus diesem Jammertal herausführt….Wir wissen nicht, ob wir uns mit unserer eigenen Zukunft beschäftigen sollen oder ob wir nochmal an die Neu-Auflage unserer Beziehung mit dem Narzissten glauben sollen. Noch was investieren, das Steuer nochmal rumreißen, oder lieber aussteigen, endgültig die Hoffnung begraben. Das ist das Dilemma, in dem wir stecken. Um euch einmal ein Bild zu geben: Es ist, wie gleichzeitig auf Gas und Bremse zu drücken und dabei mit dem Auto in der Garage zu stehen. Könnt ihr euch die Folgen vorstellen? Viel Rauch und doch keine Bewegung! Viel Spritverbrauch, ganz ohne Vorwärtskommen.

Wir hängen also noch immer an der Angel, weil wir ja abwarten, was von IHM kommt!! Somit sind wir immer noch ausgeliefert, immer noch auf sein Wohlwollen angewiesen und die Tage plätschern voller Leid vor sich hin. Wir fragen unsere Freundin: „Glaubst du, er meldet sich nochmal? Soll ich ihm schreiben, wie schlecht es ihm geht?“ Wir stalken ihn auf facebook, schauen, wo er mit wem unterwegs ist und ziehen daraus unsere Schlüsse, ob wir weiter Hoffnung haben können/sollen oder nicht. Wir haben uns nicht wirklich befreit! Wir tragen noch immer unsere Fesseln! Wir sind noch keinen Schritt in Richtung „Eigenverantwortung“ gegangen!

Das aber muss zwingend stattfinden, wenn wir das Tal des Schmerzes und des Jammers verlassen wollen. Wir müssen uns auf den Weg machen, aufstehen, unsere innere Landkarte ansehen, uns Wegbegleiter suchen, Proviant einpacken und losmarschieren. Aufhören zu zweifeln, aufhören zu warten, aufhören zu schauen, was ER macht.

Was ist notwendig, um diesen Schritt wirklich machen zu können? Nach meiner Erfahrung, ist es extrem wichtig, eine Entscheidung zu treffen. Viele Frauen schwanken immer noch hin und her, sind immer noch unsicher, ob es WIRKLICH keine Hoffnung mehr gibt, ob er WIRKLICH ein „hoffnungsloser Fall“ ist, und damit unbelehrbar, ob nicht vielleicht sie selbst sich so ändern können, dass die Beziehung weiter bestehen kann…..so drehen sie sich im Kreise – zehnfach….hundertfach…..

Dieses Gedankenkreisen wird irgendwann zur Abwärtsspirale. Wir müssen uns klarmachen, dass es keine 100 % richtigen Entscheidungen gibt. In keiner Situation gibt es nur Argumente dafür oder nur Argumente dagegen. Wir werden also immer unter ambivalenten Bedingungen entscheiden müssen. Wir werden, einmal entschieden, nie erfahren, was aus der Alternative geworden wäre, weil wir sie ja nicht erlebt haben. Stell dir vor, du stehst an einer Weggabelung und musst dich entscheiden, gehe ich rechts oder links weiter. Es ist durchaus vernünftig, sich niederzusetzen und mit dem Weg, der da vor einem liegt, zu beschäftigen. ABER: Was passiert denn, wenn ich NUR an der Weggabelung sitzen bleibe und mich mit den verschiedenen Optionen beschäftige? Wenn ich mal 3m den linken Weg entlang laufe, dann wieder zurück zum Ausgangspunkt, dann gehe ich mal 10m den rechten Weg entlang, und kehre wieder um. Merkt ihr, was ich euch sagen will, ihr verbraucht all eure Kraft für Irrwege, for nothing, es ist verlorene Zeit und vergebene Liebesmühe. Es bringt euch nicht voran. Ihr tretet auf der Stelle und verliert dabei immer mehr an Kraft.

Was kann nun helfen, eine Entscheidung zu treffen? Wo kann Klarheit herkommen und wie kann sie so reifen, dass ich eine wirklich endgültige Entscheidung treffen kann und auch gut hinter dieser stehen? Nun, natürlich ist es nicht ganz so einfach, sonst hättet ihr es ja längst gemacht, und es gehören ein paar Aspekte dazu, die wir uns bewusst machen müssen und die es dann erleichtern.

Wenn eine Beziehung schon 100 mal angefangen und wieder geendet hat, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie beim 101. Mal plötzlich gut geht? Wenn mein Partner mich schon 100 mal belogen, betrogen, hintergangen, enttäuscht, herabgewürdigt und manipuliert hat, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er plötzlich DAUERHAFT damit aufhört?

Wenn es mir im Laufe der Beziehung immer schlechter geht, ich immer schwächer und unsicherer werde, wenn sich meine Freunde bereits zurück ziehen, weil sie das Thema nicht mehr hören können oder weil sie dem Elend nicht mehr zuschauen können, wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass es mir mit DIESEM Partner in Zukunft großartig gehen wird. Dass er meine Energiequelle Nr. 1 und mein Motor für Glück und Zufriedenheit sein wird? „Immer wenn wir getrennt sind, spüre ich so richtig, wie sehr ich ihn liebe. Da ist eine so tiefe Sehnsucht in mir, ich glaube manchmal fast, es nicht zu überleben ohne ihn“. Handelt es sich in dieser Beschreibung tatsächlich um Liebe? Eine Liebe, die auch frei lassen kann, die eine Bereicherung ist, wenn sie da ist, aber keine überlebensnotwendige Einrichtung, ohne die ich in den Abgrund falle. Haben wir es dann – wenn wir uns ehrlich in die Augen schauen – nicht eher mit Abhängigkeit zu tun? Und müssten wir dann nicht ehrlicherweise sagen: „Ich bin so abhängig – statt – ich liebe ihn so“? Stelle dir ganz offen die Frage, ob es dir im Laufe eurer Beziehung immer besser oder immer schlechter geht. Ob deine Kräfte mit diesem Menschen wachsen oder schwinden. Schaue dir an, wie dein Umfeld, deine Freunde dich sehen. Welche Rückmeldung bekommst du von ihnen? Dass du immer lustiger, zufriedener und glücklicher geworden bist mit ihm, oder dass du nur noch ein Schatten deiner selbst bist, verunsichert, zittrig, verwirrt und traurig? Welchen Einfluss hat die Beziehung auf dein Kind? Ist dein Partner eine Bereicherung für das Kind? Sucht es den Kontakt und die Nähe, möchte es gerne und oft etwas mit ihm unternehmen? Seid ihr eine lustige 3er-„Bande“, wenn ihr unterwegs seid, fröhlich und in Harmonie? Oder sitzt du zwischen den Stühlen, wenn dein Partner da ist? Ist er eifersüchtig auf das Kind, will er dich für sich alleine haben, lehnt er das Kind ab oder umgekehrt, das Kind mag ihn nicht? Bist du durch die Beziehung so energielos geworden, dass du kaum mehr Kraft hast, dich wirklich gut um dein Kind zu kümmern? Auch und gerade emotional? Bist du innerlich wie erstarrt, manchmal fast ohne Regung und dann wieder so fertig und einsam, dass du gar keinen Nerv mehr hast für so triviale Dinge wie mit dem Kind auf den Spielplatz gehen oder gemeinsam Hausaufgaben zu machen, einkaufen zu gehen, ein Buch vorzulesen?

Ziehst du dich häufig zurück, weil in deiner Beziehung wieder „Land unter“ ist und du nicht willst, dass es Andere mitkriegen? Du hoffst ja eh, dass bald wieder alles in Ordnung kommt, es kann ja nur eine Frage der Zeit sein. Er meint das ja sicher nicht ernst mit dem Schluss machen, immerhin ist er seither auch immer wieder zurück gekommen? Hast du keine Lust mehr auf Hobbys, die du sonst gerne gemacht hast, kein Interesse mehr, dir selbst was Gutes zu tun? Ist Alkohol zum „guten Freund“ von dir geworden. Sind die Anspannungen und nervlichen Belastungen manchmal so groß, dass du sie nur noch mit Alkohol aushalten kannst. Dass die Welt wenigstens für einige Zeit im Nebel versinkt, die Emotionen wenigstens für eine kleine Weile erträglich sind. Gehört es schon automatisch am Abend dazu, dich damit ein bisschen einzulullen oder ist der Griff zur Flasche bei Stress mit IHM schon automatisiert?

Besinne dich auf deine Werte, auf dein Leben und auf das deines Kindes, wenn du das Glück hast, mit einem solchen gesegnet zu sein. Besinne dich auch auf deine Aufgaben und deine Verantwortung! Wir sind keine 12 Jahre mehr alt und können uns unserem Schmerz vollkommen hingeben. Wir müssen uns aufraffen, wir müssen erwachsene Entscheidungen treffen und wir müssen „den Arsch in der Hose haben“, diese auch durchzuziehen!! Wenn wir es nicht schaffen, zu einer Entscheidung zu gelangen oder es nicht schaffen, diese durchzuhalten, dann MÜSSEN wir professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, ansonsten steht unser Leben auf der Stelle, verbrauchen wir unsere Lebensenergie im Standgas und leiden unsere Kinder Höllenqualen, weil wir als Mutter nicht erreichbar sind und nicht zur Verfügung stehen! Es ist ganz sicher nicht unsere Schuld, in eine so destruktive Beziehung zu geraten, aber es ist unsere Verantwortung, sie zu beenden, wenn sie uns zerstört und ebenso ist es unsere Verantwortung zu erkennen, wenn wir das nicht alleine schaffen. Wir machen uns ja auch den Blindarm nicht selber raus – also, ab zum Fachmann/frau, wenn ihr alleine nicht weiter kommt!!

Wir können also festhalten: Um Liebeskummer besser verarbeiten zu können, müssen wir uns klar entscheiden, diesen Menschen nicht mehr als Partner in unserem Leben haben zu wollen. Wir müssen sicher wissen, dass wir keine Fortführung der Beziehung wollen und der gemeinsame Weg zu Ende ist! Dann erst können alle anderen „Hilfsmittel“ greifen!

Die Trennungsphasen sind durchaus vergleichbar mit den Trauerphasen nach einem Todesfall. Wenn wir uns von einem Partner lösen (müssen), den wir sehr geliebt haben, der uns aber nicht gut tut oder die Beziehung sich als destruktiv herausgestellt hat, dann müssen wir durch die 4 Phasen der Trauen marschieren. Wie diese genau aussehen, damit werden wir uns in unserer nächsten live-video-Runde beschäftigen. Wenn du also unter deiner Trennung leidest, dann sei unbedingt dabei! Auch wenn du den Absprung noch nicht geschafft hast, beschäftige dich damit, wie es dir nach einer Trennung wohl gehen wird. Der damit verbundenen Angst wollen wir gemeinsam begegnen. Angst wird leider nicht weniger, wenn wir sie ignorieren, sondern sie breitet sich aus – deshalb packen wir den Stier bei den Hörnern und gehen gemeinsam – durch die Angst!

  • Ganz fantastisch auf den Punkt gebracht. Besser geht es nicht, als hier beschrieben, wenn man/frau aus dem unsäglichen Schmerzkarrussel heraus will (und muss). Vielen herzlichen Dank.

  • Bei mir ist es so, dass es mir auch besser ging. Ach ich weiß nicht. Besser, weil ich nicht alleine war. Besser, weil er eigentlich ich sage eigentlich immer für mich da war. Gut, weil er mir immer wie es ging gesagt holden hat. Gut, weil ich spontan mit ihm etwas machen konnte. Gut weil kuscheln schon war. Aber eigentlich ging es mir dabei schlecht, weil er mich von Anfang an belogen und betrogen hat. Und ich im Dauerstress war zusätzlich weil er Ads weiss aber nicht ob das alles ist. Er hat fast nie sein Gehirn benutzt. Eigentlich alles vergessen. Unlogisch Dinge gemacht. Er hat mich zur Weißglut gebracht durch sein Verhalten. Aber eigentlich tut er mir nur leid, weil ich denke er wollte mich einfach nur lieben und eine Beziehung mit mir führen. Ich kann einfach nicht mehr. Es tut so weh, weil er gescheitert ist und ich mir nicht vorstellen kann ohne ihn zu leben aber auch nicht mit ihm. Er war fast immer für mich da. Jetzt bin ich alleine in einer Situation, wo ich ihn brauchen könnte. Bin sehr labil gerade durch eine traumatische Erfahrung. Ich bin so verzweifelt, weil ich weiß ich muss jetzt entgultig die Reisleine ziehen, wril er mich jetzt Körperlich verletzt hat. Ich. kann den Gedanken nicht ertragen ohne ihn zu sein so weit unten bin ich. Ich muss mich schützen. Bin so mzde

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